Wieso ist UX so wichtig?

Aktualisiert: 15. Sept. 2021

Von der Tasse, aus der wir unseren Morgenkaffee schlürfen, bis hin zu unseren bevorzugten mobilen Anwendungen und Website-Designs – ein grosser Teil unserer täglichen Routine beinhaltet regelmäßige Interaktionen mit digitalen und materiellen Produkten und hängt sogar davon ab. All diese Interaktionen erzeugen Gefühle, die einen Eindruck bei uns als Nutzer hinterlassen. Bei digitalen Produkten wie eben Websites oder Apps spricht man hier von UX, also eben von der User Experience.


UX-Design ist die Kunst, digitale Produkte so gut zu gestalten, dass die Interaktionen positive, bleibenden Eindruck hinterlassen. Im Idealfall hat man es geschafft, dass der Besucher einer Website Freude hat darauf zu surfen und wiederkommt. Es gibt fast von jeder Website unzählige Beispiele und letztlich haben halt nur diejenigen Erfolg bei denen die UX durchdacht ist und laufend optimiert wird. In der Schweiz kennt jeder digitec.ch oder galaxus.ch – dort sind ganze Teams bestehend aus UX Designer damit beschäftigt nur ganz kleine Elemente des Webshops zu verbessern. Das kann z.B. sein, wie die Produkt-Vergleichsansicht funktioniert oder wie de Ablauf des Kaufprozesses gestaltet ist.


Wenn du dich mit einer neuen Website beschäftigst, dann ist es ganz essenziell diese Grundprinzipien zu kennen und sie richtig umzusetzen. In diesem Leitfaden erklären wir dir, wie das geht.


Was ist genau UX-Design?


Trotz seiner Bedeutung ist UX, die Abkürzung für User Experience, in der breiten Öffentlichkeit noch nicht sehr verstanden. UX ist ein Designbereich, dessen "human first"-Ansatz die Unterstützung der Benutzer bei der Interaktion mit einem meist digitalen Produkt von Anfang bis Ende betont.


Als Konsumenten machen wir mit jedem Produkt, das wir benutzen, Erfahrungen – sei es z.B. beim Surfen auf der Website von Ikea, oder beim Kaufen eines SBB Tickets von Bern nach Zürich oder aber bei der Essensbestellung mit Uber Eats oder so. Aber auch einfach wenn wir etwas ganz Triviales machen, wie z.B. den Regenschirm öffnen entstehen Gefühle. Diese Interaktionen rufen eine Reihe von Meinungen und Emotionen hervor, die mit dem Produkt in Verbindung gebracht werden; diese können im schlechten Fall frustrierend, mühsam oder ärgerlich sein und im Idealfall eher beglückend, hochwertig und erfreulich.


Don Norman, der Autor von Designing Everyday Things, prägte in den 90er Jahren den Begriff "User Experience" und beschrieb ihn wie folgt:



"Ein Produkt ist mehr als nur das Produkt. Es ist ein zusammenhängendes, integriertes Paket von Erfahrungen. Denke alle Phasen eines Produkts oder einer Dienstleistung durch – von den ersten Absichten bis zu den abschliessenden Überlegungen, von der ersten Nutzung bis zu Hilfe, Service und Wartung. UX-Designer sollten dafür sorgen, dass sie alle nahtlos zusammenarbeiten".


Was ist der Unterschied zwischen UX und UI?


Sie klingen ähnlich, aber wenn du die Unterschiede zwischen UX und UI (User Interface) verstehst, wirst du feststellen, dass sie keineswegs austauschbar sind. Zwar geht es sowohl beim UX- als auch beim UI-Design um die Gestaltung des bestmöglichen Endprodukts für die Benutzer, aber es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen den beiden Disziplinen.


Ein UX-Designer konzentriert sich auf den gesamten Ablauf und die Funktionalität der Website und berät sich dabei mit Produktdesignern, Analysten, Nutzern und Vermarktern. In diesem Fall nutzen sie diesen Prozess, um herauszufinden, welche Funktionen erforderlich sind, um den Besuchern ein reibungsloses Surfen auf der Website zu ermöglichen, und geben ihre Erkenntnisse an den UI-Designer weiter.


Der UI-Designer trifft dann die ästhetischen Entscheidungen, die notwendig sind, um diese Lösungen zum Leben zu erwecken: die Grösse der Bilder, die Anordnung der Inhalte, die Menge des Textes und so weiter. Er wird Fragen stellen wie: Welches ist das beste Website-Layout für den Benutzer? Wie viele Informationen sollten auf der Homepage untergebracht werden? Ist das Interface insgesamt visuell ansprechend und ansprechend?




Was macht eine gute User Experience aus?


Erfolgreiches UX-Design kann nur mit einem tiefen Verständnis für die Wünsche, Bedürfnisse und Werte der Nutzer erreicht werden. Und wie Ihnen jeder Designer bestätigen wird, lässt sich die Definition einer guten Benutzererfahrung nicht auf einen einzigen Faktor beschränken. Jede Interaktion zwischen Nutzer und Produkt stellt ein einzigartiges Potenzial dar, und jedes Design hat seine eigenen Ziele.



"Der Schlüssel zu gutem UX-Design ist, dass man vorhersehen muss, was der Nutzer will, und seine Fragen beantworten muss, bevor er sie stellt."


Benutzerfreundlichkeit ist nicht genug


Die meisten Menschen gehen davon aus, dass ein Produkt mit gutem UX-Design einfach "benutzbar" ist. Das würde aber bedeuten, dass jedes Produkt, das uns von Punkt A zu Punkt B bringt, ein gutes Nutzererlebnis bietet.



Die Benutzerfreundlichkeit ist zwar wichtig, reicht aber nicht aus, um das gesamte Spektrum der Benutzererfahrung abzudecken. Ein Produkt kann oberflächlich betrachtet benutzerfreundlich sein und dennoch die Benutzer auf dem Weg dorthin enttäuschen. Darüber hinaus muss der Kontext berücksichtigt werden - was für die einen als brauchbar gilt, kann für andere eine Herausforderung darstellen; und ein Produkt, das früher eine Lösung bot, kann heute veraltet erscheinen.



Ein klassisches Beispiel hierfür ist die alte Heinz-Glas-Ketchup-Flasche. Die, bei der du geduldig darauf warten musst bis das Ketchup dann mal rausrolllt oder du sie mit aller Kraft aus der Flasche zu klopfen versuchst. Aber: Als Heinz gegen Ende des 19. Jahrhunderts seine klassische Ketchupflasche auf den Markt brachte, war die innovative Lösung, dass die Flasche es den Benutzern ermöglichte erstens das Produkt aus einer Glasflasche konsumieren, die Wiederverschliessbar ist und eben durch die Verwendung von Glas konnte man immer sehen wie viel Ketchup noch übrig ist.



Im Jahr 2021 sind wir uns der Tatsache bewusst, dass der Kunststoffbehälter von Heinz eine weitaus bequemere Lösung für die Entnahme von Ketchup aus der Flasche darstellt. Es geht schnell und ist super einfach.



7 Grundsätze der Benutzerfreundlichkeit (Usability)

Wenn nicht nur die Benutzerfreundlichkeit, welche Eigenschaften tragen dann zu einer guten Benutzererfahrung bei? Diskutieren wir einige verlässliche Leitlinien und schauen wir uns an, wie sie auf die Gestaltung von Websites angewendet werden können. Im Folgenden haben wir die 4 wichtigsten aufgeführt.


  1. Nützlich

  2. Brauchbar

  3. Auffindbar

  4. Glaubwürdig



Nützlich


Oftmals ist die Website der erste Berührungspunkt mit einer Marke oder einem Unternehmen. Wenn sie nicht den Nutzen stiften, den ich mir als Nutzer erhoffe bin ich in wenigen Sekunden bereits beim Konkurrenten auf der Website. Bei der Gestaltung einer Website bedeutet Nützlichkeit, dass die Website selbst den Nutzern hilft, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Das kann z. B. sein einen Kauf zu tätigen, bestimmte Informationen zu beschaffen oder sich für einen Kurs anzumelden.


Airbnb bringt einen Grossteil der nützlichen Funktionen direkt auf die Startseite. So dreht sich hier alles um die Suche sowie um den häufigen Fall, dass der Nutzer gar nicht weiss wohin er will. Airbnb bringt genau diesen Nutzen weit nach vorne auf der Website und schafft es so durch Inspiration und Vorschläge einen Zusatznutzen zu generieren.





Unter Nützlichkeit sind nicht nur einzelne Elemente gemeint, sondern vielmehr noch das Zusammenspiel aller Element einer Website. Wenn du z.B. einen Online-Shop besucht, hast du vielleicht Fragen zu einem bestimmten Produkt. Eine sichtbare Live-Chat-Funktion auf der Startseite der Website scheint die perfekte Lösung zu sein, um Antworten zu erhalten. Man schickt eine Nachricht und wartet, bis man feststellt, dass die Funktion vom Betreiber nicht wirklich gemanaged wird. Dieses Designelement ist überflüssig, weckt falsche Erwartungen bei den Nutzern und führt zu Enttäuschung, was letztlich eine schlechte Nutzererfahrung ist.



Benutzerfreundlich


Die erfolgreichsten UX-Designs ermöglichen es den Benutzern, ihr Ziel intuitiv, effizient und erfolgreich zu erreichen. Eine benutzerfreundliche Website ist eine Website, die den Benutzern hilft, ihre Ziele schnell und effizient zu erreichen. Nehmen wir an, du kommst auf eine Fitness-Website. Der Grund für deinen Besuch auf dieser Website ist, dass du mehr über die Coaches und die Kurse erfahren und dich dann für einen Kurs anmelden möchtest.


Stell dir zwei mögliche Szenarien für die Anmeldung vor: Im ersten Fall musst du auf der Website herumspringen, bis du ein komisches Anmeldeformular findest, was du mit deinen persönlichen Daten ausfüllst und darauf wartest bis dir der Fitness Instruktor eine E-Mail schickt, bevor er die Anmeldung bestätigt. In einem anderen Fall findest du im Header (Kopfzeile der Website) eine auffällige Schaltfläche die heisst "Jetzt buchen". Diese führt dich zu einem Online-Buchungskalender, wo du den gewünschten Kurs auswählst, gleich bezahlst und sofort eine Bestätigung erhältst, dass du dich erfolgreich für den Kurs angemeldet hast.


Obwohl beide Szenarien technisch gesehen "benutzbar" sind, da sie den Benutzer von Punkt A zu Punkt B bringen, gibt es einen deutlichen Unterschied in der User Experience. Das eine ist benutzerfreundlich, nahtlos und zufriedenstellend während das zweite Szenario viele Schritte erfordert und zu einer langen Wartezeit führt, was frustrierend ist.




Auffindbar


Wie nützlich ist ein Produkt, wenn deine Zielgruppe es nicht finden kann? Im Bereich UX bedeutet "auffindbar", dass die Zielgruppe ein Produkt findet und darauf zugreifen kann, wenn sie es braucht. Im Falle eines digitalen Produkts wie einer Website bedeutet dies, dass sie den gesuchten Inhalt leicht finden können.


Eines der Kriterien für die Erstellung einer Website mit guter UX ist die Sicherstellung, dass die Nutzer die gesuchten Inhalte einfach finden können. Dies wird erreicht, indem man die für die Besucher wichtigsten Aspekte der Website vorwegnimmt, sie gut strukturiert und richtig auf den Subseiten anordnet. Wichtige Inhalte können an unterschiedlichen Orten abgebildet werden, z.B. in einem Menü, im Header (Kopfzeilenbereich) der Website oder als Teaser an prominenter Stelle auf der Startseite.



"Wenn ein Nutzer deine Website besucht, muss er in wenigen Sekunden verstehen, was das Ziel ist und wo er den gewünschten Inhalt findet. Das Idealbild ist eine Kombination aus zwei Elementen. Erstens der Struktur (also wo was steht) und zweitens dem Design (also wie es da steht)."


Glaubwürdig


Bei der Glaubwürdigkeit geht es vor allem um Ehrlichkeit und darum, dem Ruf, den eine Marke geniesst, gerecht zu werden.


Eine glaubwürdige Website ist eine aktuelle, fehlerfrei funktionierende Website, die die Marke oder das Unternehmen, wahrheitsgetreu darstellt. Nehmen wir an du bist auf einem Online-Shop gelandet, der einen Frühlingsausverkauf mit 20% Rabatt auf alle Einkäufe anpreist. Du wählst einen Artikel aus, gehst zur Kasse stellst fest, dass immer noch der volle Preis berechnet wird. Das Gleiche gilt z.B. mit Öffnungszeiten oder Informationen zum Standort. Eine solche Erfahrung hinterlässt bei den Nutzern einen negativen Eindruck von der Marke, da der Inhalt der Website unzuverlässig und veraltet ist.